Klaus Dieter Weiss
Architektur in Wort und Bild

Wohngruppe, Ronnenberg-Benthe

2005, Prof. Bernd Sammann Architekt/Ronnenberg-Benthe

 

Individuelles Wohnen am Benther Berg

Baumeister, Juli 2005, S. 54–61

"Den drei Niedrigenergie-Häusern im Umfeld Hannovers fehlt jedes Zubehör. Es gibt keinen Außenanstrich, keinen Sockel, kein Regenrohr, keine Bleche vor den tief eingelassenen Fenstern. Kein sichtbares Dach, keine Dachpfannen, keine Giebel und Erker. Nicht einmal in die umliegenden Vorgartenkonkurrenzen wollen die Häuser verwickelt werden. Die drei archaischen Betonkuben hinter Mauern und unter Bäumen erlauben ein sehr gelassenes Wohnen. “Simplify your life” mit Hilfe fugenloser, massiver Betonmauern. Vielleicht regte sich schon deshalb der örtliche Widerstand? Im Traum dieser Variante von 'Schöner Wohnen' geben sich Heimwerker und Baumärkte endlich geschlagen. Was soll einer 20 cm starken, durchlaufenden nichttragenden Sichtbetonschale, hinter der eine innere Außenwand aus Porotonmauerwerk mit unbehandeltem Kalkputz die Sichtbetondecken trägt, schon geschehen? Auf den ersten Blick mag die pure, widerborstige, dank Hochofenzement auf veränderte Wetterlagen aber sehr sensibel reagierende Betonästhetik mit ihren vielen versteckten Nuancen bis hin zum Seidenglanz, vielleicht nicht jedem gefallen. Die Dimensionen der Systemschalung zeichnen sich ab, ebenso die durch eine umlaufende horizontale Naht getrennten Betoniervorgänge (4 Schaltafeln = 5,40 m Betonierhöhe), während die unregelmäßig verstreuten Fensteröffnungen die Geschossgrenzen manchmal zu überspielen scheinen und kontrastierend eine eigene Melodie einführen. Aber diese Häuser in bevorzugter Wohnlage der Region Hannover sind authentisch, autark und in ihrem Erscheinungsbild absolut - von unvergleichlichler Dauerhaftigkeit. Wen könnte eine solche Sicherheit und Langmut der Architektur nach dem historischen technischen Versagen der Moderne nicht begeistern?"

Fotos und Text © Klaus Dieter Weiss