Klaus Dieter Weiss
Architektur in Wort und Bild

Kranhäuser, Köln Rheinauhafen

2008/09, BRT Bothe Richter Teherani Architekten/Hamburg

 

Architekturdokumentation in Vorbereitung

Torkräne am Strom

BRT, Birkhäuser Verlag, Basel Boston Berlin 2005, S. 70–81

"Würden sich Ruhrgebiet und Rheinschiene zur polyzentrischen Megaregion Rhein-Ruhr-City zusammenraufen, wäre Köln zweifellos ihr prädestiniertes Zentrum. Von soviel Zukunft ist die Stadt architektonisch noch weit entfernt. Obwohl kilometerweit unmittelbar am Rhein gelegen, fehlt Köln noch immer eine umtriebige Wasserkante, die die urbane Kraft des Wassers als wesentliches Definitionsmerkmal weltstädtischer Attraktivität einbezieht und das Phänomen “Stadt am Wasser” architektonisch ausspielt. Visionäre Verdichtungen und Verflechtungen des Stadtgewebes wachsen nicht auf kleinlicher Nostalgie oder einer Rekonstruktion des unter Josef Stübben 1898 mittelalterlich konzipierten, im Krieg stark beschädigten, vor allem aber 1959 durch den Bau der Severinsbrücke zerrissenen Hafenareals. Nach Freud gibt sich der Traum nie mit Kleinigkeiten ab. Die Baugeschichte einer dynamischen Stadt kann sich nicht in Gleichförmigkeit und Mittelmaß erschöpfen, das belegt an Ort und Stelle der 170 m lange, 1910 vollständig in Stahlbeton ausgeführte Speicherbau der Agrippinawerft, das sogenannte Siebengebirge. Gerade historische Bausubstanz, lebt vom architektonisch dokumentierten Zeitsprung in die Gegenwart, jede Anbiederung setzt historische Authentizität dagegen zur synthetischen Verfügungsmasse herab. Nach jahrelangem Widerstand und erneuten Wettbewerben soll die Reaktivierung verwaister Kaianlagen – weltweit erprobt, in Hamburg und sogar Berlin längst auf der Tagesordnung – endlich auch das Kölner Stadtgeschehen aufladen und verdichten: gemäß der ursprünglichen Idee den vorhandenen Kränen nachempfunden, urban integriert und stadthistorisch richtig vorindustriell-komplex genutzt."

Fotos und Text © Klaus Dieter Weiss