Klaus Dieter Weiss
Architektur in Wort und Bild

Wohnwerft, Köln Rheinauhafen

2006, Oxen + Römer Architekten/Köln

 

Verwobene Waben

Baumeister, Oktober 2008, S. 62–71

"Ein Neubau, der mit den weißen Ausflugsdampfern auf dem Rhein wetteifert: Die Wohnwerft, der die Architekten gerne werbewirksam das 'f' einklammern, ist ein wichtiger Impuls für eine Stadt, die ihre Zukunft am Wasser lange verschlafen hat. Nun sucht hier im ehemaligen Hafengebiet eine wohlhabende, kreative Klientel Zuflucht. Das freistehende Haus im Villen-Vorort der Stadt kann das Einfamilienhaus auf der Etage zwar nicht ganz ersetzen. Aber dafür spart man sich die Gartenarbeit, das Chauffieren der Kinder und wohnt stattdessen mitten im Zentrum. Ein alter Traum, der immer wieder als leeres Verkaufsargument missbraucht wird. Niemand möchte mehr dem Durchschnittsamerikaner nacheifern, der 10 Jahre seines Lebens im Auto verbringt. Die Kölner Wohnwerft kann für sich in Anspruch nehmen, diesen Gedanken zum ersten Mal überzeugend umgesetzt zu haben. Die Architekten bezogen sich dabei auf ein nur mittelbares Vorbild von Neutelings/Riedijk Architekten: die durch die Freiräume strukturierte Fassadensystematik der Reihenhäuser auf Sporenburg in Amsterdam vor 10 Jahren. Kernpunkte sind die bauherrenähnliche Individualität des eigenen Wohnbausteins im Gefüge der Stadt und die Ablesbarkeit dieses 'Hauses' trotz Stapelung."

Individualität von der Stange

architektur.aktuell, Juli/August 2006, S. 52–63 

"Für den Programmpunkt Wohnungsbau mit Hausqualitäten hat der Kölner Rheinauhafen ein Zeichen gesetzt. Nicht das freie Siedeln auf der Etage nach dem Vorbild von Le Corbusiers Algierprojekt 'Plan Obus' aus dem Jahr 1931 war für die Wohnwerft das Vorbild. Es ging den Kölner Architekten bei ihrem Beitrag für einen geladenen Wettbewerb, an dem im Jahr 2003 u.a. auch ASTOC teilnahm, um die Dynamik eines im äußeren Erscheinungsbild von seinen Zwängen befreiten Geschoßwohnungsbaus. Raffiniert ist vor allem das positive Bild einer im Raster der Betonschotten spielerischen Individualität auf der Etage, das nicht zuletzt von einer starken Plastizität der Fassade und wechselnden Freiraumqualitäten am Rheinufer hervorgerufen wird."

Fotos und Text © Klaus Dieter Weiss